Kritik und Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

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Das Wichtigste in Kürze

  • Hauptkritikpunkt und Nachteil ist die nachgelagerte Besteuerung der betrieblichen Altersvorsorge im Alter.
  • Zudem werden durch die Entgelt­umwandlung gesetzliche Sozial­leistungen gemindert.
  • Arbeitnehmer können außerdem beim Arbeit­geber­wechsel nicht sicher sein, dass sie ihren bAV-Vertrag mitnehmen können.
  • Eine pauschale Antwort auf die Frage, ob die bAV sinnvoll ist, gibt es jedoch nicht. Dies muss in jedem Fall individuell betrachtet werden.

Das erwartet Sie hier

Die fünf größten Nachteile und Kritikpunkte an der betrieblichen Altersvorsorge und wie Sie diese am besten ausgleichen.

Inhalt dieser Seite
  1. Überblick: Nachteile der bAV
  2. Steuern und Abgaben im Alter
  3. Weniger gesetzliche Rente
  4. Rein arbeit­nehmer­finan­zierte bAV
  5. Nachteile durch Jobwechsel
  6. bAV ist nicht kündbar
  7. Die sechs größten Irrtümer

Überblick: Die größten Nachteile der betrieblichen Altersvorsorge

Wofür wird die betriebliche Altersvorsorge kritisiert?

  • Steuern und Sozialabgaben im Alter auf die Betriebsrente
    Die Betriebsrente wird im Alter voll versteuert, jedoch zu einem oft niedrigeren Rentensteuersatz. Zusätzlich fallen auf die Auszahlung der Betriebsrente die vollen Kranken- und Pflege­versicherungsbeiträge an. Privat Versicherte sind hiervon ausgenommen.
  • Weniger gesetzliche Rente durch Entgeltumwandlung
    Durch die Entgeltumwandlung sinkt das Bruttogehalt, was zu geringeren Einzahlungen in die Sozial­versicherung führt. Dies reduziert die spätere gesetzliche Rente und andere Sozialleistungen.
  • Vorsicht bei rein arbeitnehmerfinanzierter bAV
    Eine rein arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersvorsorge birgt Risiken, da der Arbeitgeber keine Zuschüsse gewährt. Seit 2019/2022 sind Unternehmen jedoch verpflichtet, einen Zuschuss zu leisten.
  • Nachteile durch Jobwechsel
    Bei einem Jobwechsel können Arbeitgeberzuschüsse zur bAV unter Umständen verfallen. Diese sind nur unter bestimmten Bedingungen mitnehmbar, wie einer Betriebszugehörigkeit von mehr als drei Jahren.
  • Eine bAV ist streng genommen nicht kündbar
    Ein bAV-Vertrag kann nicht flexibel gekündigt oder verkauft werden. Er kann lediglich stillgelegt werden, und Auszahlungen sind nur in seltenen Ausnahmefällen möglich.

Steuern und Sozialabgaben im Alter auf die Betriebsrente

Nachgelagerte Besteuerung

Die Auszahlung der betrieblichen Altersvorsorge unterliegt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung. Dies bedeutet, dass im Alter die ausgezahlte Betriebsrente voll zu versteuern ist. Jedoch ist der persönliche Steuersatz im Rentenalter in der Regel niedriger als während des Erwerbslebens. Dennoch muss genau gegengerechnet werden, ob sich demgegenüber die Einsparungen in der Einzahlungsphase lohnen.

Was hat es mit der nachgelagerten Besteuerung auf sich?

Volle Krankenkassenbeiträge im Alter

Auf die betriebliche Alters­vorsorge werden außerdem im Rentenalter Kranken- und Pflege­versiche­rungs­beiträge in voller Höhe fällig, also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Für gesetzlich Krankenversicherte gibt es mittlerweile einen Freibetrag in Höhe von aktuell 187,25 Euro, auf den keine Beiträge anfallen. Für privat Versicherte gilt dies im Übrigen nicht: Diese müssen im Alter keine extra Kranken- und Pflege­versicherungsbeiträge auf ihre Betriebsente zahlen, sondern nur die Beiträge zur PKV im Alter tragen.

Weniger gesetzliche Rente durch Entgeltumwandlung

Niedrigeres Brutto­gehalt führt zu Ver­lusten bei den Sozial­leistungen

Bei der Entgelt­umwandlung wird in der Regel damit geworben, dass ein Teil der Einzahlung in die betriebliche Altersvorsorge durch Steuern und Sozialabgaben finanziert wird, die der Arbeitnehmer einspart. Dieser Vorteil kann bei näherer Betrachtung aber auch zum Nachteil werden. Denn für den Arbeitnehmer bedeuten geringere Einzahlungen in die Sozial­versicherung, dass auch der Anspruch auf die gesetzliche Rente und andere Sozialabgaben geringer wird. Denn weniger Brutto bedeutet:

Dies sollte man bei der Abwägung der Vor- und Nachteile der Entgeltumwandlung beachten. In der Regel ist der Teil der Sozialleistungen, der durch die Brutto-Entgeltumwandlung verringert wird, jedoch überschaubar.

Lohnt sich die Entgeltumwandlung?

Vorsicht bei rein arbeit­nehmer­finan­zierter betrieblicher Altersvorsorge

Allein in die bAV einzahlen lohnt sich nicht

Die betriebliche Altersvorsorge wird von den meisten Arbeitgebern angeboten. Doch bei den unterschiedlichen Durchführungswegen kann der Arbeitnehmer auch auf unterschiedliche Weise profitieren oder sogar Verluste machen. Besonders die rein arbeitnehmerfinanzierte Entgeltumwandlung ist mit Vorsicht zu genießen.

Der Gesetzgeber hat jedoch durch das Betriebsrenten­stärkungsgesetz (BRSG) die Situation für Versicherte verbessert und neue Regelungen geschaffen. So sind Arbeitgeber seitdem verpflichtet, einen Zuschuss zur bAV ihrer Angestellten zu zahlen.

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Weitere Pflichten des Arbeitgebers

Nachteile durch Jobwechsel

Arbeitgeberbeiträge nur unter bestimmten Bedingungen mitnehmbar

Auch bei einem Arbeit­geber­wechsel werden Nachteile der betrieb­lichen Alters­vorsorge erkennbar. Denn in diesem Fall stellt sich die Auszahlung beziehungsweise Weiterführung der bAV oft als kompliziert dar. Die vom Arbeitnehmer per Entgelt­umwandlung eingezahlten Beiträge können zwar nicht verloren gehen, in einigen Fällen können jedoch die Zuschüsse des Arbeitgebers verfallen.

Folgende Kriterien müssen prinzipiell hierfür erfüllt sein:

  1. Der Arbeitnehmer muss das 21. Lebensjahr vollendet haben
  2. Der Arbeitnehmer muss länger als drei Jahre im Betrieb angestellt sein

Dies gilt für Verträge, die ab dem 1.1.2018 abgeschlossen wurden. Bei Verträgen, die zwischen 2009 und 2017 abgeschlossen wurden, gelten andere Fristen der Unverfallbarkeit. Wenn eine Anwartschaft vor 2005 erworben wurde, dann müssen sich alle Parteien bei der Übernahme des Vertrages einig sein, sonst bleibt dem Arbeitnehmer nur, die bAV allein weiterzuführen.

Was passiert mit meiner bAV bei einem Jobwechsel?

Experten-Tipp:
Zusatz­leistungen können nicht immer mit­genommen werden

„Hat der alte Arbeitgeber Zusatzleistungen, wie beispielsweise eine Berufs­unfähigkeits­versicherung angeboten, heißt dies nicht, dass der neue Arbeitgeber dies auch tun muss. Wenn er dies ablehnt, verliert die versicherte Person entweder ihren Versicherungsschutz oder muss die komplette Versicherung privat fortführen.“

Foto von Stephan Seidenfad
Geschäftsführung

Die bAV ist nicht kündbar

Arbeitnehmer ist an den Vertrag gebunden

Ein bAV-Vertrag ist relativ unflexibel, denn er kann in der Regel vom Versicherten weder verkauft, noch beliehen oder verpfändet werden. Nur in einigen Ausnahmefällen lassen es die Versicherungsgesellschaften zu, dass man sich einen Teil des Ersparten auszahlen lassen kann. Dies ist allerdings nur eine Ausnahme und nur in begründeten Einzelfällen möglich. Zudem ist es sehr schwierig, einen solchen Vertrag zu kündigen. Meist kann dieser nur stillgelegt werden.

Wann die bAV gekündigt werden kann

Die größten Irrtümer über die betriebliche Altersvorsorge

Wenn unser Vorsorge-Experte Frank Heide Unternehmen oder Angestellte rund um die betriebliche Altersvorsorge berät, klärt er immer wieder Irrtümer um die Pflichten und die bAV allgemein auf. „Dies ist auch nicht verwunderlich. Denn die bAV ist ein hochkomplexes Thema.“

Die 6 größten bAV-Mythen und warum sie nicht stimmen

Irrtum 1:
Die Unternehmen haften nicht für die bAV-Zusagen

Einzig beim Sozialpartnermodell haftet der Chef nicht. Für alle anderen Durchführungswege der bAV gibt er seinem Arbeitnehmer ein Versprechen für eine zukünftige Rentenhöhe. „Der Arbeitgeber ist also dafür verantwortlich, dass dieses Versprechen erfüllt wird und ist somit haftbar“, sagt Frank Heide. Mittels geeigneten Versicherungen und Gestaltungen kann die Haftung aber abgefedert werden.

Irrtum 2:
Die bAV ist nur eine Versicherung

Die bAV wird zwar oft über eine Versicherung abgewickelt, tatsächlich ist sie aber viel mehr. „Sie ist eine Zusage einer bestimmten Leistung eines Unternehmens an seine Mitarbeiter“, sagt Heide. Wie schon beim Irrtum Nummer 1 beschrieben, ist der Chef dafür verantwortlich, dass diese im Versorgungsfall auch geleistet wird.

Irrtum 3:
Die Hinterbliebenen sind automatisch abgesichert

In der bAV besteht keine Pflicht, dass bei Berufs­unfähigkeit oder im Todesfall Leistungen bezahlt werden. Viele Verträge enthalten aber die Absicherung der Hinterbliebenen, wenn der Arbeitnehmer vorzeitig stirbt. Auch das Risiko der Berufs­unfähigkeit kann abgesichert werden. Dies kostet aber zusätzlich.

Irrtum 4:
Die bAV ist kündbar

Eine bAV ist in der Regel nicht einseitig durch den Mitarbeiter kündbar – also kündbar im Sinne einer Auszahlung des angesparten Kapitals. Ein Mitarbeiter hat aber die Möglichkeit, seine Entgeltumwandlung zu kündigen beziehungsweise aufzuheben. Das angesparte Kapital steht erst bei Rentenbeginn zur Auszahlung zur Verfügung.

Irrtum 5:
Die bAV lohnt sich nicht

„Viele Arbeitnehmer wollen keine bAV, weil sie das Gefühl haben, dass sich diese für sie nicht lohnt“, sagt Heide. Das kann man aber so pauschal nicht sagen. Denn viele Faktoren sind entscheidend, ob ein Mitarbeiter von der bAV profitiert: Beispielsweise der Tarif, die Laufzeit, die Beitragshöhe und die Höhe der Arbeitgeberbeteiligung.

Irrtum 6:
Wenn ich über 50 bin, lohnt sich die bAV nicht mehr

Die Aussage, dass sich eine bAV ab einem Alter über 50 Jahren nicht mehr lohnt, ist so pauschal in der Regel nicht richtig oder sogar falsch. Durch den Mix aus Steuer- und Sozialabgabenersparnis auf der einen und Arbeitgeberförderung auf der anderen Seite kann sich aus einem bAV-Vertrag mit Entgeltumwandlung sowie mit Kapitalwahlrecht für den Arbeitnehmer ein toller Sparplan ergeben.

Die Rente lohnt sich bei älteren Arbeitnehmern oftmals nicht mehr. Aber das Kapital erzielt sehr oft eine hohe Rendite auf das eingebrachte Bruttoeinkommen. Es lohnt sich auf jeden Fall, einmal genauer hinzuschauen.

Mit uns die ideale betriebliche Altersvorsorge finden

Gemeinsam mit unserem mehrfach ausgezeichneten Partner von Buddenbrock können wir Ihnen eine moderne und steuerlich optimierte betriebliche Altersvorsorge anbieten:

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Foto von Lena Mierbach
Lena Mierbach
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Nachgelagerte Besteuerung Renten werden erst bei Auszahlung besteuert, während die Beiträge in der Ansparphase steuerfrei oder steuermindernd sind. Ziel ist es, die Steuerlast ins Rentenalter zu verlagern, wenn das Einkommen meist geringer ist.